Bitte nicht lächeln!

25 Sep

Neue Zürcher Zeitung vom 25.09.2014, Seite 58:

Die Schweizer Game-Entwickler beschäftigen sich mit sich selbst

Am vergangenen Wochenende ging auf dem Zeughaus-Areal der Stadt Zürich mit Ludicious das erste Schweizer Game-Festival über die Bühne. Die Bilanz fällt positiv aus.

Marc Bodmer

«Ich bin zufrieden», sagt der abgekämpft wirkende Festivalleiter Dominik Marosi. «Natürlich gibt es noch Tausende von Dingen, die man besser machen kann, aber wirklich grobe Schnitzer sind uns nicht unterlaufen.» Eröffnet wurde Ludicious, das erste Schweizer Game-Festival, mit der Verleihung des Swiss Game Award durch die Swiss Game Developers Association. Die Auszeichnung «Spiel des Jahres» holte sich der Titel «Perils of Man» des Newcomer-Studios IF Games aus Erlenbach bei Zürich.

Mehr Marketing

Kernstück von Ludicious ist das Konferenzprogramm, das in die Themenfelder «Game, Business & Marketing» und «Design & Development» aufgeteilt ist. Die amerikanische Journalistin Leigh Alexander prangerte in ihrem Plädoyer für Independent-Spiele die Risikoscheu der Majors an und bezichtigte sie gar der «kulturellen Inzucht». Mit dem Hinweis, dass Konsumenten Lust auf neue Spielformen haben, machte sie den lokalen Spielentwicklern Mut, ihre Visionen zu verfolgen: «Hochauflösende Grafiken und Immersion sind nur ein Weg für ein Spielerlebnis. Abstraktion hat durchaus Platz im ludischen Umfeld», sagt Alexander überzeugt. Sie wies auch darauf hin, dass beschränkte Ressourcen «ein Segen» sein können, denn Not mache erfinderisch.

Das hiesige Game-Schaffen braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Doch wer mit lokalen Entwicklern spricht, muss sich nicht selten Klagen anhören über mangelnde Akzeptanz im eigenen Land. Ursache der kommerziellen Schwierigkeiten sind oft mangelhafte Kenntnisse der herrschenden Marktverhältnisse und Überheblichkeit gegenüber der internationalen Konkurrenz.

«Viele Studiumsabgänger gehen zu 80 Prozent einer Arbeit nach, nur 20 Prozent werden in die Fertigstellung ihres Spiels gesteckt. Das ist reine Produktentwicklung», sagt Professor Pietro Morandi von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). «Doch so bleiben weder Energie noch Ressourcen übrig zum Aufbau eines Geschäftsmodells.»

Wie zentral das Verständnis für den Markt in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie ist, zeigte auch Chris Bergstresser, der ehemalige Geschäftsführer der populären Online-Spiele-Plattform Miniclip mit Sitz in Neuenburg. «60 Prozent meiner Startup-Zeit gingen mit dem Charmieren von Investoren drauf, 40 Prozent konnte ich in die Game-Entwicklung stecken.» Es gebe da draussen viel Lärm und Müll, so der erfahrene Manager, «um gehört zu werden, muss man eben lauter rufen». Was nach einer einfachen Losung klingt, erweist sich in einer Welt von eher introvertierten Programmierern und scheuen Designern als grosse Herausforderung. Verschärft wird diese durch eine helvetische Zurückhaltung, die aber gerne überkompensiert wird. Darum betonte der Kalifornier Bergstresser wiederholt in seiner Präsentation: «Selbstbewusstsein, nicht Arroganz ist gefragt.»

Schweizer lieben es ernst

Mit der Einführung von sogenannten Inkubatoren haben die Zürcher Hochschule der Künste und die Haute Ecole d’Art et de Design (HEAD), Genf, auf die Anforderungen des Marktes reagiert und bieten ihren Abgängern Unterstützung bei der Gründung und Positionierung ihrer Startups. «Derzeit haben wir zwei Serious-Game-Projekte in Arbeit», sagt Morandi. Für diese Form von Spielen sei es in der Schweiz einfacher, Investoren zu finden, als für reine Unterhaltungstitel.

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